Ursprüngliche Kirche mit Charakter: St. Georg in Kößlwang. 

(C) Gloria Kern – GloK

Ansicht von der Straße

Kößlwang gehört zur Marktgemeinde Bad Wimsbach-Neydharting im Bezirk Wels-Land in Oberösterreich und befindet sich zwischen Vorchdorf, Eberstalzell und Laakirchen. Die St. Georgs Kirche ist eine Filialkirche der Pfarre Bad Wimsbach-Neydharting, das zum Dekanat Gmunden gehört. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Eine erste Vorgänger-Kapelle wurde vermutlich im Zuge der Christianisierung auf einer heidnischen Kultstätte errichtet. Die Ursprünge der heutigen St. Georg Kirche gehen auf das Hochmittelalter zurück. Vermutlich stammt sie aus dem 12. Jahrhundert. Über die Jahrhunderte hat die Kirche viele Veränderungen erfahren. Romanische, spätgotische und barocke Elemente sind in ihr vereint. Nichts ist auf Hochglanz poliert. Eine Kirche mit Charakter.

Das Hochmittelalter war eine bewegte Zeit im Gebiet des heutigen Oberösterreich. Das spätere „Land ob der Enns“ gehörte noch zum Herzogtum Bayern wo nach den Ottonen, die Wittelsbacher regierten. Östlich der Enns regierten die Babenberger, vor der endgültigen Übernahme des Gebiets durch die Habsburger. Massiver wirtschaftlicher Aufschwung prägte die Region. Umfassende Waldrodungen für den sich ausbreitenden Städtebau, Christianisierung und Klostergründungen, die im Frühmittelalter begonnen hatten, setzten sich fort.

Abgelegen auf einer Wiese steht die St. Georg Kirche

Düster liegt der Nebel auf den gefrorenen Äckern, und der Wind pfeift eisig über die Landschaft, an diesem frostigen Dreikönigstag. Abgelegen, zwischen weiten Feldern und riesigen, vereinzet liegenden Vierkanthöfen, ragt die St. Georg Kirche hervor. Zart angefroren liegt abweisend eine Neuschnee-Decke jungfräulich unangetastet um die Kirche. Nicht einmal Spuren von grazilen Vogelfüßchen sind auf ihr zu entdecken. Vom Feldweg aus, der zur Kirche führt, ist kein befestigter Zugang zu finden. Auch ein Eingang ist nicht zu sehen. Auf der Rückseite der Kirche befindet sich ein massives Eisentor. Sein schwerer Flügel ist mit einem bröckeligen Ziegelstein fixiert, der das Tor einen Spalt offen hält.

Eintritt durch das knarrende Eisentor

Das schwere Eisentor knarrt beim Öffnen. Der modrige Mief jahrhundertealten Gemäuers steigt in die Nase, gemischt mit dem familiären, herzerwärmenden Geruch von Kerzenwachs, das in den verglühenden Flämmchen gespendeter Opferlichter schmilzt und kleine schwärzliche Rußsäulen aufsteigen lässt; gemischt mit der scharfen Würze des Weihrauchdunstes der sich allmählich in der feuchten Luft ausdünnt und die Aura förmlicher Feierlichkeit vergehen lässt. Das Klicken der gesplitteten und losen, unebenen Bodenfliesen begleitet Schritt für Schritt durch den Kirchenraum, wie alt gewordene, hinkende Zeitzeugen, die es gut mit einem meinen. Vor einer niederen, rustikalen Holztür, im hinteren Teil der Kirche, durch deren Ritzen Licht von außen blitzt und die weder zum Boden, noch zum oberen Mauerwerk hin abdichtet, hängen zwei Stricke von der Decke, die bis zum Boden reichen. Vermutlich wird mit den frei hängenden Seilen die Kirchenglocke geläutet. Ein spartanisch, filigraner Opferlichtständer, aus schwarz gestrichenem Eisen, vor der dunklen Madonna mit dem Jesuskind in ihren haltenden Armen, die in ihrer kleinen Nische, durch das Gitter geschützt, geduldig auf ihre Fürbitter wartet. Andächtige Stille im Inneren. Wohltuend strahlt der über Jahrhunderte praktizierte Seelendienst und die Gottesanbetung in unpolierter Echtheit in die feinstoffliche Atmosphäre.

Altarraum hinter Eisengittern abgeschlossen

Der Altarraum und die Sitzbänke sind hinter schwarzen kunstschmiedenen Eisengittern abgeschlossen. Die Skulptur des Heiligen Georg – wie er dem Drachen die Lanze in den Rachen stößt – sowie die Statue des Heiligen Antonius und der schwarze Renaissance-Hochaltar, mit vergoldeten Elementen, sind nur von weitem durch das Gitter zu sehen.

Altarraum seit über 300 Jahren unverändert

Das Herzstück der Kirche ist die spätgotische Skulptur des Heiligen Georg. Sie stammt vermutlich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und wurde 1708 hier aufgestellt sowie der schwarze Renaissance-Hochaltar und die Statue des Heiligen Antonius. Die schwarz gefasste Orgel, von der nur mehr das Gehäuse erhalten ist, wurde 1692 gefertigt. Sie stammt ebenso aus der Vorgänger-Kirche der heutigen Pfarrkirche Bad Wimsbach-Neydharting. Auf der Kanzel am Chorbogen sind die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes in barockem Stil dargestellt.

Der Heilige Georg und der Sieg des Guten über das Böse

Georg, einer der 14 Nothelfer, der heroische Heilige stößt, als Ritter in voller Rüstung, dem Drachen eine Lanze in den Rachen. Der Sieg Georgs über den Drachen kann als Sieg des Göttlichen über das Teuflische, als Sieg des Guten über das Böse gedeutet werden.

Wanderweg Georgsrunde an gotischer „Wimkirche“ vorbei

Die Georgsrunde ist ein zirka 8 km langer, leichter Wanderweg (Nr. 6), der beim Moorbad Neydharting startet und an der „Wimkirche“ vorbei zur Georgskirche in Kößlwang führt. Die Filialkirche „In der Wim“ ist eine denkmalgeschützte Kirche, die ebenso zur Pfarre Bad Wimsbach-Neydharting gehört. Sie ist dem Heiligen Thomas von Canterbury geweiht. Ihre Ursprünge gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Der gotische Bau wurde 1893 zu seiner heutigen Form ausgebaut. Der Hochaltar stammt aus der Zeit um 1700 und zeigt den Märtyrertod des Heiligen Thomas von Canterbury.

Georgiritt in Kößlwang

Die Georgs Kirche ist Ausgangspunkt für den lokalen jährlichen Georgiritt. Am Gedenktag des Heiligen Georg, dem 24. April, beginnt der bäuerliche Sommer. Die Wiesen und Felder beginnen zu grünen und dürfen nicht mehr betreten werden. Die Kinder dürfen wieder barfuß gehen. An den Wochenenden davor und danach werden Georgiritte und Reiterspiele veranstaltet.

Der jährliche Georgiritt findet auch in den oberösterreichischen Gemeinden, wie folgt, statt: Ampflwang im Hausruckwald, Aurachkirchen bei Ohlsdorf, Burgkirchen im Innviertel, Herzogsdorf im Mühlviertel, Micheldorf bei Kirchdorf an der Krems, Scharnstein und Viechtwang im Almtal, St. Georgen im Attergau, Weyer an der Enns.

Der Eingang befindet sich auf der Rückseite der Kirche.
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Die St. Georg Kirche ist für Besucher geöffnet. Das Eisentor steht einen Spalt offen.
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Die schwarze Heilige Mutter Maria mit dem Jesuskind.
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Der Altarraum hinter dem Eisengitter.
Der schwarze Renaissance-Hochaltar mit vergoldeten Elementen.
Links der Heilige Georg als Ritter, wie er dem Drachen die Lanze in den Rachen stößt.
Rechts die Statue des Heiligen Antonius.
Betende Hände am Weihwasserbecken. Im Hintergrund der Hochaltar.
Mit den Strängen vor dem Holztor werden die Kirchenglocken geläutet.
In der kleinen Nische wartet die schwarze Madonna mit dem Jesuskind geduldig auf ihre Fürbitter.
Davor der filigran spartanische Opferkerzenständer.
Hinteransicht
Die gotischen Fenster im Altarraum von außen.

(C) Gloria Kern – GloK

2 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben, viele Informationen, dazu auch gute Bilder. Alles prima , liebe Gloria. Gratuliere. Machen Sie es nur so weiter, und man fühlt , dass Sie es mit Liebe und Freude tun.

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